Donnerstag, 9. Juni 2016

Was reisen und leben gemeinsam haben.

"Die meisten Leute
planen ihre Ferien
besser als ihr Leben."

[Mary Key Ash, mit unglaublichem Jahrgang 1918, bis 2001]

Dieses Zitat hat mich heute Morgen im Zug auf dem Weg zur Arbeit ziemlich nachdenklich gemacht. Ich habe mich gefragt, ob ich auch zu den "meisten Leuten" gehöre. Um es genau zu nehmen, plane ich eigentlich Ferien nicht so gerne. Pauschalreisen gehe ich seit vielen Jahren aus dem Weg. Ich bin dem Mann sehr dankbar, dass er bei diesem Thema nach dem gemeinsamen Tüfteln und Festlegen des Ziels häufig eine federführende Rolle übernimmt. Da wir uns mit dem Kind an die Schulferien halten dürfen und sich seit einigen Jahren die Ferien etwa so abspielen...

... Sport-/Winterferien: Schneesport in den Bergen
... Frühlingsferien: Fahrradfahren (z.B. Rheinradroute)
... Sommerferien: Outdooraktivitäten je nach Land und Gegend
... Herbstferien: Wanderferien in den Bergen, häufig SAC-Hüttentouren
... Weihnachtsferien: Verschieden, mal alle gemeinsam, mal ich und das Kind, mal nur das Kind (das sich immer freut zu Omi in die Ferien zu gehen)

planen wir praktisch nur die Sommerferien mit einer eher längeren Vorlaufzeit, damit wir unsere Vorstellungen umsetzen können. Das sind in den letzten Jahren gerne Wohnmobilferien (sich ohne allzu festgelegte Planung, aber doch mit einer gewissen Vorstellung, treiben lassen).

Zurück zur Lebensplanung. Es gibt auch dieses ganz andere Zitat von John Lennon: Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ Ja was jetzt? Vor einiger Zeit gab das Buch von Bronnie Ware "Was Sterbende am meisten bereuen" zu reden. Und ja, auch ich habe es gelesen. Und wenn wir darüber nachdenken, ist das alles sonnenklar und eine Umsetzung drängt sich auf, ja sie muss sein. Und dann? Gehen wir zu Bett und am anderen Morgen führen wir "das gewohnte Leben" weiter. Das gewohnte Leben ist ja auch nicht schlecht. Ganz wenig Achtsamkeit mehr, hie und da, würde ein bisschen Schwung und Pep hineinbringen.

Die Hitliste des Buches:
  1. «Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben»
  2. «Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet»
  3. «Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken»
  4. «Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben»
  5. «Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein»
Und was es für mich bedeutet, ganz sachlich durch nummeriert :-)
  1. Träume sind etwas Schönes. Ich möchte nie ohne Träume sein, dabei aber trotzdem zufrieden sein (Wunsch an mich). Für die Verwirklichung von einigen Träumen aber sorge ich.
  2. Das war im Buch von Bronnie Ware noch ein eher männliches Thema. Generationenbedingt. Wir holen auf - auch ich, da bin ich keine Ausnahme. Als späte Mutter wäre es für mich undenkbar gewesen, meinen Beruf an den Nagel zu hängen. Nach den Kleinkind-Jahren wurde es bei mir etwas mehr und beim Mann etwas weniger, auf dem Papier arbeiten wir beide Teilzeit. Hier habe ich Potenzial zur Verbesserung.
  3. Zufrieden sein. Erledigungsmodus nicht überhand werden lassen.
  4. Freunde treffen. Türe für neue Freundschaften offen lassen - es ist inspirierend neue Menschen kennen zu lernen. Ausserdem: Es braucht keine monatlichen Treffen. Manchmal reicht eine Begegnung im Jahr - wenn sie stimmt, ist es OK.
  5. Glück ist eine persönliche Wahl (Reminder an mich). Nicht zu viele Sorgen machen (Reminder an die Mutter in mir).
So. Danke fürs Lesen. Gern mir auch weitere Inspirationen hinterlassen.


Schnitt.

Hier noch ein paar Bilder vom Rheinradweg. Zwischen Arnhem und Wijk bij Duurstede.

Zu oft Anhalten ist nicht gut für die Motivation, vor allem nicht, wenn wir gerade erst los gefahren sind. Ich habe tatsächlich manchmal das Gefühl eine Art "Flow" zu unterbrechen. Darum gibt es dann ab und zu einen Schnappschuss während der Fahrt. Den hier habe ich kurz nach Arnhem geknipst.


Das Kind am Auslöser. Ja, das rechts im Bild bin ich. Das Schattenspiel und der schmale, tiefer gelegene Weg wirkten in Natur viel intensiver. Der Weg war sehr lang und wir haben uns in allen möglichen Formationen verewigt. Sozusagen.


Wieviel Beton hier wohl verbaut wurde? Imposant auf jeden Fall. Das Bauwerk regelt eine Kanal-Schleuse. Überhaupt war ich sehr überrascht, dass das ganze Land mit Kanälen durchzogen war bzw. ist. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.


Ein typisches Quartier in Holland. Die kleinen Gärten und Gärtchen sind meist liebevoll gepflegt und gehegt. Die Wohnzimmerfenster sind wie Schaufenster. Man blickt mitten in die Stube. Auf dem Fenstersims finden sich häufig schöne Pflanzen in noch schöneren Gefässen. Vorsätze wieder mehr grün in die Wohnung zu bringen, sind also aus Holland mitgereist.


Die Wäsche wird vom Wind trocken geblasen. Das gewohnte Leben.


Wunderschöne Kronleuchter tun es mir immer wieder an. In diesem Restaurant haben wir uns nach dem Picknick-Mittagessen einen Kaffee gegönnt. Es tut gut "in der Wärme" zu sitzen und sich etwas vom Fahrradsattel zu erholen. Leider weiss ich den Namen des Restaurant nicht mehr. Ich weiss aber noch, dass wir zum Kaffee in einem kleinen Schokoladenbecherlein einen Schluck Baileys bekommen haben. Eine leckere Überraschung.


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